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Zellkultur Bioassays - cell-based assays Überblick

Hintergrund

Bioassays oder cell-based assays sind experimentelle Verfahren zur Bestimmung der biologischen Wirkung von Substanzen auf lebende Systeme wie Zellen, Gewebe oder Organismen. Im Gegensatz zu rein chemischen Analysen erfassen sie funktionelle Effekte und liefern damit biologisch relevante Informationen. Sie sind sowohl in der Forschung als auch im Pharmabereich z.B. als Freigabeassays (release assays) im Bereich GMP mittlerweile unersetzlich. Vor allen Wirksamkeitsprüfungen (potency assays) sind häufig cell-based assays.

Es gibt verschiedenste Arten von Bioassays die grundlegend (Zellzahl, Zelltod, Metabolismus) oder spezifisch (bestimmte Rezeptoren, Kaskaden) sein können. Die Auswertung kann über Absorption, Fluoreszenz, Lumineszenz, Mikroskopie oder Impedanz erfolgen. Manche Assays sind sogenannte Endpunktassays, andere sind kontinuierlich. Auf dieser Seite versuchen wir einen Überblick über Vor- und Nachteile von verschiedenen Assaytypen, Messprinzipien und speziellen Assays zu geben.

Zellkultur Bioassays (Basis bis GMP) plates 96 well

Wo und wofür werden Bioassays verwendet

Typische Anwendungsgebiete sind:

  • Pharmaforschung und Wirkstoffentwicklung
    • Identifikation und Charakterisierung neuer Wirkstoffe
    • Bestimmung von Wirksamkeit (Potenz, EC50/IC50)
    • Toxizitätsscreening
  • Toxikologie und Sicherheitsbewertung
    • Bewertung von Chemikalien, Umweltgiften und Kosmetika
    • Risikobewertung für Mensch und Umwelt
  • Biotechnologie und Qualitätskontrolle
    • Prüfung biologischer Produkte (z. B. Antikörper, Impfstoffe)
    • Chargenkontrolle und Stabilitätsuntersuchungen
  • Grundlagenforschung
    • Untersuchung zellulärer Signalwege
    • Analyse von Zellverhalten (Wachstum, Differenzierung, Tod)

 

Arten von Bioassays: Endpunkt vs. kontinuierliche Assays

Bioassays lassen sich grundsätzlich in zwei Kategorien einteilen:

  • Endpunkt-Assays
  • Kontinuierliche (kinetische) Assays

Endpunkt-Assays

Endpunkt-Assays messen die biologische Antwort zu einem definierten Zeitpunkt.

Eigenschaften:

  • Messung erfolgt einmalig nach Inkubation
  • Einfach durchzuführen und gut standardisierbar
  • Oft hohe Reproduzierbarkeit

Beispiele:

  • WST-8, WSt-1; XTT- und MTT-Assay
  • Neutral Rot, Kristallviolett Assays
  • LDH- oder Protease-Freisetzungsassay
  • Caspase-Endpunktmessung

Vorteile:

  • Geringer technischer Aufwand
  • Hoher Durchsatz (High-Throughput-Screening geeignet)

Nachteile:

  • Keine Information über zeitliche Dynamik
  • Kritisch bei zeitabhängigen Prozessen

Kontinuierliche (kinetische) Assays

Diese Assays erfassen die biologische Reaktion über einen Zeitraum hinweg kontinuierlich bzw. sehr engmaschig.

Eigenschaften:

  • Mehrfache Messung desselben Samples über die Zeit (Kinetik)
  • Echtzeit- oder zeitaufgelöste Daten

Beispiele:

  • Live-Cell Imaging
  • Impedanzbasierte Zellanalyse (z. B. xCELLigence)
  • Fluoreszenz-Reporter-Assays

Vorteile:

  • Darstellung von Dynamiken (z. B. Wachstumskurven)
  • Höhere Informationsdichte

Nachteile:

  • Höherer technischer Aufwand
  • Datenanalyse komplexer

 

Assays zur Bestimmung der Zellzahl

Zellzahlassays dienen der Quantifizierung lebender oder gesamter Zellen in einer Probe. Sie basieren auf unterschiedlichen biologischen oder physikalischen Prinzipien. Die Zellzählung ist hier am präzisesten, aber auch sehr aufwendig. Andere Assays ermitteln die Zellzahl indirekt, was fehleränfällig ist.

Übersicht der Assaytypen und Prinzipien

Assaytyp

Beispiel

Prinzip

Zellzählung Zellzählung im Counter, Trypan Blau, Eosin B Direkte und damit präziseste Methode. Zellen werden im Counter gezählt. Lebende und tote Zellen können durch Farbstoffe unterschieden werden.

Metabolische Aktivität

MTT, XTT, WST-1, Resazurin (Alamar Blue)

Reduktion von Farbstoffen durch mitochondriale Enzyme in lebenden Zellen. Die metabolische Aktivität korreliert mit der Zellzahl.

Membranintegrität der Lysosomen Neutral Rot NR wird in die Zellen aufgenommen und durch den niedrigen pH in den Lysosomen zurückgehalten. Die Zellzahl korreliert mit der Farbstoffmenge

ATP-basierte Assays

CellTiter-Glo

Lumineszenz proportional zur ATP-Konzentration als Maß für lebende Zellen

DNA-Menge

Hoechst, PicoGreen

Fluoreszenzfarbstoffe binden an DNA → proportional zur Zellzahl

Proteinquantifizierung

SRB (Sulforhodamin B)

Bindung an Zellproteine → Gesamtzellmasse

Impedanzmessung

Real-Time Cell Analysis

Änderung des elektrischen Widerstands durch adhärente Zellen

Bildbasierte Verfahren

Mikroskopie + Software

Direkte Zellzählung über Bildanalyse

 

Cytotoxizitätsassays

Cytotoxizitätsassays messen die Reduktion lebender oder die Zunahme toter Zellen, um das toxische Potential von Substanzen zu ermitteln.

Übersicht der Assaytypen und Prinzipien

Assaytyp

Beispiel

Prinzip

Zellzählung Trypan Blau, Eosin B; Zellzählung im Counter Direkte und damit präziseste Methode. Zellen werden im Counter gezählt. Lebende und tote Zellen können durch Farbstoffe unterschieden werden.

Metabolische Aktivität

MTT, XTT, WST-1, Resazurin (Alamar Blue)

Reduktion von Farbstoffen durch mitochondriale Enzyme in lebenden Zellen. Die metabolische Aktivität korreliert mit der Zellzahl.

Membranintegrität der Lysosomen Neutral Rot NR wird in die Zellen aufgenommen und durch den niedrigen pH in den Lysosomen zurückgehalten. Die Zunahme toter Zellen korreliert mit NR im Medium.
LDH-Freisetzung LDH-Assay Sterbende Zellen setzen LDH frei. Die Aktivität von LDH (Laktatdehydrogenase) im Medium kann gemessen werden.

ATP-Abnahme

CellTiter-Glo

Abnahme von ATP zeigt Zellsterben

  

 

 

 

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