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Welche Mykoplasmen-Test-Kits für die Zellkultur (Forschung und GMP) gibt es? - Vergleich

Für den Mykoplasmen-Nachweis in Zellkulturen stehen unter anderem PCR, qPCR, RT-qPCR, dPCR, isothermale Amplifikation, Fluoreszenzfärbungen und zellbasierte Verfahren zur Verfügung. Für Forschung und Routine-Screening können einfachere Systeme ausreichend sein; für pharmazeutische Qualitätskontrolle und Freigabeprüfungen gelten dagegen die Anforderungen der Europäischen Pharmakopöe (Ph. Eur.) 2.6.7. Die seit 1. April 2026 geltende Revision fordert bei NAT-basierten Verfahren unter anderem eine geeignete Validierung, produkt- bzw. matrixspezifische Eignungsprüfung und geeignete Kontrollen. Die zum 1. Januar 2027 in Kraft tretende Ph. Eur. 13.1 ändert Kapitel 2.6.7 nach der veröffentlichten Inhaltsübersicht nicht erneut; die Anforderungen aus Ph. Eur. 12.2 gelten damit auch 2027 weiter.

Wenn Sie einen Mykoplasmen-Test kaufen möchten, können Sie unsere Übersicht und den Vergleich verschiedener Anbieter als Entscheidungshilfe nutzen. Preise, Nachweisgrenzen, Spektrum, Kontrollen und regulatorische Eignung unterscheiden sich erheblich. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Forschungs-/Screening-Kits und Systemen, die für eine validierte GMP-Freigabeprüfung nach Ph. Eur. 2.6.7 vorgesehen sind.

Zellkultur mit Mycoplasmen-Kontamination

 

Mykoplasmen-Nachweis-Methoden und Kits kaufen

Unter den Nachweis-Methoden für Mykoplasmen gibt es verschiedene Mykoplasmen-Test- und Kit-Arten. Zum einen ein schneller und einfacher Mykoplasmen-Test mit DAPI oder Hoechst-Farbstoffen und zum zweiten der sensitive und günstige Mykoplasmen-Nachweis über PCR-Kits. Im Folgenden sind zwei Beispiele dargestellt, wie man z.B. eine neue Charge von FCS testen kann.

Wie funktionieren PCR-Test-Kits für Mykoplasmen?

Im ersten Beispiel wird das zu testende Reagenz (hier z.B. eine neue FCS-Charge) zu einer sauberen Zellkultur gegeben und diese 7 Tage damit kultiviert (länger ist natürlich sicherer). Danach wird mit einem kommerziellen Mycoplasmen-Kit der Zellkultur-Überstand mittels PCR getestet und im Gel ausgewertet.

Zellkultur Mycoplasmen-Nachweis PCR

Images courtesy of InCelligence, Eppendorf AG, PromoCell GmbH and F. Timm Seabra Souza

Video zum Mykoplasmentest mittels PCR aus unserem MOOC

In diesem Video zeigen zwei Studenten wie man den Mykoplasmen-Kit IC von PromoKine benutzt (Dieses historische Kit ist nicht mehr bei PromoCell bzw. PromoKine erhältlich; vergleichbare konventionelle PCR-Kits werden heute unter anderem von Minerva Biolabs und Merck/Sigma-Aldrich angeboten, aber nicht mehr bei PromoCell bzw. PromoKine). Das Video ist in englischer Sprache, sollte aber gut zu verstehen sein, auch wenn man nicht so gut Englisch spricht. Das Video stammt aus unserem DNA MOOC.

See how a mycoplasma PCR is performed in the lab using a  Mycoplasma kit that is not any more available but still shows the general principle. Besides that, encounter Can, Andrei and Ulla who are BCCB 3rd year students at Jacobs University, Bremen and have a laugh with them. The video is a little longer than 20min, but as it is part of our DNA MOOC is shows all steps and explains all components of the kit.  Video auf der DNA-MOOC-Seite ansehen...

Further videos from the MOOC: DNA - from structure to therapy are on our  MOOC page.

Mycoplasma PCR Kit PromoKine Video

 

Wie funktioniert ein Mykoplasmen-Test mittels DAPI-Färbung?

Im zweiten Beispiel geht man anfangs identisch vor, allerdings fixiert man die Zellen am Ende und färbt sie mit DAPI oder Hoechst. Nun kann man eventuelle Mykoplasmen-Kontaminationen im Fluoreszenz-Mikroskop erkennen. Dieser Mykoplasmen-Nachweis ist allerdings deutlich weniger sensitiv als die PCR Methode. Wer diese Methode als einzige nutzen möchte, sollte immer eine Inkubationszeit von mindestens 14-21 Tagen einhalten.

 

Zellkultur Mycoplasmen-Nachweis DAPI

 

Welche Mykoplasmen-Nachweis-Kits gibt es? - Pharma-Niveau und Freigabeprüfungen

Für neue GMP-Freigabeprüfungen sollte ein System gewählt werden, dessen Hersteller die Eignung für die seit 1. April 2026 geltende Ph. Eur. 2.6.7 (12.2) belegt und das zusammen mit geeigneter Probenaufarbeitung, externer Positivkontrolle und produkt-/matrixspezifischer Eignungsprüfung eingesetzt wird. Die Anforderungen gelten auch 2027 weiter.

Firma / Produkt Methode / NWG / Ph. Eur. Spektrum Preis Bemerkungen
Sartorius
Cyclus® RT-qPCR Mycoplasma
RT-qPCR
≤10 CFU/mL bzw. <100 GC/mL
Ph. Eur. 2.6.7 (12.2): konform validiert
>120 Mollicutes; pharmakopöisch relevante Referenzspezies abgedeckt Nicht öffentlich angegeben Für GMP-QK und Batch Release vorgesehen. Validierter Workflow mit Cyclus® Bead Extraction; interne Kontrolle überwacht den Workflow. Für die Ph.-Eur.-konforme Anwendung ist zusätzlich eine externe Positivkontrolle nahe der Nachweisgrenze sowie die produktspezifische Prüfung auf inhibitorische Substanzen erforderlich.
Minerva Biolabs
Venor® Mycoplasma qPCR
RT-qPCR
≤10 CFU/mL bzw. <100 GC/mL
Ph. Eur. 2.6.7 (12.2): konform validiert
Pharmakopöisch relevante Spezies; kombinierte DNA-/RNA-Detektion Nicht öffentlich angegeben Für GMP-QK und Freigabe vorgesehen. Minerva empfiehlt den validierten Workflow mit Venor® Mycoplasma Extraction und 10CFU®/100GC®-Standards. Produkt-/matrixspezifische Eignungsprüfung bleibt erforderlich.
Thermo Fisher Scientific / Applied Biosystems
MycoSEQ™ Plus Mycoplasma Detection Kit
qPCR (TaqMan™)
Hersteller: ≤10 GC/mL für pharmakopöisch gelistete Spezies
regulatorische Freigabeanwendung unterstützt
>200 Mykoplasmen-Spezies; laut Hersteller keine nachgewiesene Kreuzreaktivität mit nah verwandten Bakterien Herstellerpreis Sept. 2026: 4.195 € für das Detection Kit Für komplexe Bioproduktions- und Zelltherapieproben entwickelt. Interne Positivkontrolle vorhanden. Für eine konkrete Ph.-Eur.-2.6.7-Freigabe bleibt die vollständige methoden- und matrixspezifische Validierung im Anwenderlabor erforderlich.
Roche CustomBiotech
MycoTOOL Mycoplasma Real-Time PCR Kit
Real-Time PCR
≤10 CFU/mL
für QC/Manufacturing und Lot Release vorgesehen
ca. 150 kultivierbare und nicht kultivierbare Mykoplasmen-Spezies Preis auf Anfrage Aktuelle MycoTOOL-Generation mit Recovery Control zur Überwachung der Probenaufarbeitung. Roche weist darauf hin, dass die Leistungsdaten außerhalb der validierten Zellkulturmatrix durch den Anwender etabliert werden müssen. Eine allgemeine vollständige Ph.-Eur.-2.6.7-(12.2)-Konformitätsaussage für jede Matrix ist daher nicht ableitbar.
Greiner Bio-One
CytoInspect™ / MycoDtect™
PCR/Microarray
historisch <10 KBE angegeben
aktueller Ph.-Eur.-2.6.7-(12.2)-Status nicht belegt
historisch: universelle Detektion plus Identifizierung zahlreicher Spezies Historische Preisangaben entfernt Historisches System. CytoInspect ist über aktuelle Distributoren nur eingeschränkt bzw. regional verfügbar; eine aktuelle Herstellerdokumentation zur vollständigen Ph.-Eur.-2.6.7-(12.2)-Konformität wurde nicht gefunden. Für neue GMP-Freigabevalidierungen nicht als aktuelles Referenzsystem empfehlen.

 

Welche Mykoplasmen-Nachweis-Kits gibt es? - Pharma-QK und Forschungsniveau

Die folgenden Systeme sind für Forschung, Screening oder industrielle Routinekontrollen verfügbar. Sie sind nicht automatisch für eine neue Freigabeprüfung nach Ph. Eur. 2.6.7 (12.2) geeignet.

Firma / Produkt Methode / NWG / Ph. Eur. Spektrum Preis Bemerkungen
Minerva Biolabs
Venor®GeM Advance
konventionelle PCR
Forschungsanwendung
nicht das aktuelle EP-2.6.7-(12.2)-Freigabesystem
>90 Mykoplasmen-Spezies Herstellerpreis Sept. 2026: 197 € Einfaches, vorkonfektioniertes PCR-System für typische Forschungsanwendungen. Für neue regulierte Validierungen empfiehlt Minerva die neue Venor® Mycoplasma qPCR/dPCR-Plattform; ältere Venor®GeM-Systeme dürfen nur in bereits behördlich akzeptierten Anwendungen fallbezogen weitergeführt werden.
Merck / Sigma-Aldrich
LookOut® One-Step Mycoplasma PCR Detection Kit
konventionelle PCR / Gel
Hersteller: ca. 10-20 Mykoplasmen pro Probenvolumen
RUO; keine EP-2.6.7-(12.2)-Konformität belegt
breite Mycoplasma-/Acholeplasma-Detektion Sept. 2026: 260 € / 25 Tests bzw. 758 € / 100 Tests Interne Amplifikationskontrolle und Positivkontrolle enthalten. Für Forschung und Industrie-Screening vorgesehen, laut Hersteller jedoch RUO. Nicht als eigenständiger Freigabetest nach Ph. Eur. 2.6.7 (12.2) ausgewiesen.
Merck / Sigma-Aldrich
LookOut® Mycoplasma qPCR Detection Kit
qPCR
nicht nach Ph. Eur. 2.6.7 optimiert/validiert
die meisten typischen Zellkultur-Mykoplasmen Sept. 2026: 863 € / 25 Reaktionen Positiv- und interne Kontrolle vorhanden. Sigma Technical Support bestätigt ausdrücklich, dass das Kit hinsichtlich Spezifität, Sensitivität/Nachweisgrenze und Robustheit nicht nach Ph. Eur. 2.6.7 optimiert ist. Für neue EP-konforme Freigabeprüfungen daher nicht geeignet.
Agilent
Mycoplasma Plus PCR Primer Set
konventionelle PCR / Restriktionsanalyse
aktueller EP-2.6.7-(12.2)-Status nicht belegt
historisch: breite Detektion; Differenzierung ausgewählter häufiger Spezies Nicht angegeben Aktuelle Sicherheitsdokumentation ist auffindbar, die öffentlich verfügbare Produktdokumentation ist jedoch überwiegend älter. Das System enthält eine interne PCR-Kontrolle, jedoch ist kein aktueller vollständiger EP-2.6.7-(12.2)-Workflow einschließlich externer Positivkontrolle und Matrixvalidierung belegt. Nicht für neue Freigabevalidierungen empfehlen.

 

Welche Mykoplasmen-Nachweis-Kits sind nicht empfehlenswert ? - ohne interne Kontrolle (wenig empfehlenswert)

Firma / Produkt Methode / NWG / Ph. Eur. Spektrum Preis Bemerkungen
R&D Systems
MycoProbe® Mycoplasma Detection Kit
rRNA-Hybridisierung / kolorimetrisch
RUO
nicht EP-2.6.7-(12.2)-konform belegt
8 häufige Spezies einschließlich A. laidlawii Preis nicht öffentlich angegeben Positivkontrolle vorhanden, aber keine interne Extraktions-/Inhibitionskontrolle über den vollständigen NAT-Workflow. Forschungs-Screening in ca. 4,5 h; für GMP-Freigabe ungeeignet.
InvivoGen
MycoStrip® 2.0
LAMP / Teststreifen
bis ca. 1 GC/µL unter optimalen Bedingungen
RUO; keine EP-2.6.7-(12.2)-Validierung ausgewiesen
49 getestete Mollicutes; Mycoplasma, Acholeplasma, Ureaplasma und Spiroplasma Herstellerpreis abhängig von Packungsgröße; Beispiel 10 Tests: 128 US-$ Positivkontrolle enthalten, aber keine interne Kontrolle des vollständigen Extraktions-/Amplifikationsprozesses. Sehr gutes Forschungsscreening, jedoch nicht als EP-konformer Freigabetest ausgewiesen.
Millipore / Milliprobe rRNA-basierter historischer Test
aktueller Produkt- und EP-Status nicht verifizierbar
Nicht angegeben Nicht angegeben Historischer Eintrag. Eine aktuelle belastbare Herstellerseite für das frühere Milliprobe-System wurde nicht gefunden. Für neue Anwendungen nicht empfehlen.

 

Welche Mykoplasmen-Nachweis-Kits gibt es noch? - weniger sensitive Methoden

Firma / Produkt Methode / NWG / Ph. Eur. Spektrum Preis Bemerkungen
N.A. Hoechst- oder DAPI-Färbung
deutlich weniger sensitiv als validierte NAT
allein kein moderner EP-Freigabetest
breit, aber unspezifisch sehr günstig Fluoreszenzmikroskopische Zusatzkontrolle. Für Forschung als schnelle Zusatzprüfung sinnvoll, für eine alleinige GMP-Freigabeprüfung nicht ausreichend.
Thermo Fisher / Invitrogen
MycoFluor™ Mycoplasma Detection Kit
Fluoreszenzmikroskopie
RUO
keine EP-2.6.7-(12.2)-Konformität
visuelle Mykoplasmendetektion in Zellkulturen Sept. 2026: 550 € / 100 Tests Aktuelles Forschungsprodukt. Schnell und einfach, aber kein validierter NAT-/Freigabeworkflow.
InvivoGen
PlasmoTest™
zellbasierter kolorimetrischer TLR2-Assay
RUO
keine EP-2.6.7-(12.2)-Konformität
Mykoplasmen und weitere TLR2-aktive Bakterien; mögliche Matrixinterferenzen Preis abhängig von Packungsgröße Zellbasierter Forschungsassay. Positive und negative Kontrollen sind enthalten, aber keine pharmakopöische Freigabevalidierung. Kreuzreaktionen bzw. Matrixeffekte sind möglich.
BioTool / Bimake metabolischer Farbtest
aktueller Markt-/EP-Status nicht verifizierbar
Nicht angegeben Historisch ca. 1,5 €/Test Historischer Eintrag. Die frühere Herstellerdokumentation konnte aktuell nicht belastbar bestätigt werden. Für neue Anwendungen nicht empfehlen.

* Preise sind Herstellerpreise bzw. historische Angaben zum genannten Stand und wegen unterschiedlicher Kitgrößen nicht direkt vergleichbar.

 

Welche Anforderungen stellt die Ph. Eur. an Mykoplasmennachweise unter GMP?

Die revidierte Ph. Eur. 2.6.7 Mycoplasmas wurde in Ausgabe 12.2 veröffentlicht und ist seit 1. April 2026 verbindlich. Die zum 1. Januar 2027 wirksam werdende Ph. Eur. 13.1 führt nach der veröffentlichten Inhaltsübersicht keine erneute Revision von Kapitel 2.6.7 ein. Für 2027 gelten daher weiterhin die Anforderungen der Revision 12.2.

  • Die Prüfstrategie ist stärker risikobasiert und weniger preskriptiv als zuvor.
  • Kultivierbare und nicht kultivierbare Mykoplasmen müssen zuverlässig erfasst werden. Kultur und Indikatorzellkultur können unter den in Kapitel 2.6.7 beschriebenen Bedingungen durch eine ausreichend validierte Nukleinsäure-Amplifikationstechnik (NAT) ersetzt werden.
  • Für NAT wird eine analytische Empfindlichkeit von ≤10 CFU/mL oder <100 Genomkopien (GC)/mL zugrunde gelegt.
  • Referenzmaterialien für die Validierung müssen geeignet charakterisiert sein; für CFU-basierte Standards wird ein Verhältnis von Genomkopien zu CFU von <10 gefordert, sofern nicht begründet anders.
  • Eine externe Positivkontrolle nahe der Nachweisgrenze dient der Überprüfung der validierten Empfindlichkeit.
  • Für die konkrete Produktmatrix ist ein Test auf inhibitorische Substanzen bzw. eine produkt-/matrixspezifische Eignungsprüfung erforderlich.
  • Wenn möglich sollen sowohl Zellen als auch Überstand in die Probenahme einbezogen werden.
  • Die Auswahl der Validierungsstämme erfolgt risikobasiert. Neben den pharmakopöisch vorgeschlagenen Spezies können abhängig von Produkt und Herstellprozess weitere relevante Spezies erforderlich sein.

Folgerung für die Tabellen auf dieser Seite: Ein Forschungs-Kit ist nicht allein deshalb Ph.-Eur.-konform, weil es PCR/qPCR verwendet oder eine Nachweisgrenze im Bereich von 10 CFU/mL erreicht. Für neue GMP-Freigabeprüfungen müssen der vollständige Workflow, die Kontrollen, die Referenzmaterialien, die Validierung und die konkrete Produktmatrix die Anforderungen von Ph. Eur. 2.6.7 erfüllen.

 

Was sind die häufigsten Zellkultur-Mykoplasmen im Labor?

  • Mycoplasma orale
  • Mycoplasma hyorhinis
  • Mycoplasma arginini
  • Mycoplasma fermentans
  • Mycoplasma salivarium
  • Mycoplasma hominis

 

Weiterführende Informationen

 

Autorin: Dr. Nicole Kühl | Fachlich geprüft: Dr. Nicole Kühl | Zuletzt aktualisiert: 14.09.2026

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